Abwasser und Umwelt

Trinkwasser wird durch unterschiedliche Verwendung – vom Duschen bis zum Betätigen der WC-Spülung – zu Abwasser und dabei mit Feststoffen und gelösten Inhaltsstoffen verunreinigt. Die gelösten Stoffe enthalten organische und anorganische Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Ungeklärtes Abwasser stellt für ein Gewässer eine Belastung dar. Bis zu einem gewissen Maß können Gewässer diese Belastung durch ihr natürliches Selbstreinigungsvermögen abbauen. Dabei wird aber der Sauerstoff im Gewässer verbraucht, vor allem beim Abbau von organischem Kohlenstoff. Die Folge: Das natürliche ökologische Gleichgewicht ist belastet. Die Beeinträchtigung des ökologischen Zustandes kann mit einer deutlichen Verschlechterung der Gewässergüte bis hin zu einem Fischsterben verbunden sein. Von großer Bedeutung für den nachhaltigen Gewässerschutz ist auch die Entfernung der Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor. Stickstoff in Form von Ammonium und Nitrit ist in zu hoher Konzentration ein Fischgift. Bei einer starken Anreicherung der Nährstoffe kommt es auch zur Überdüngung, der „Eutrophierung“, die durch ein massives Algenwachstum in den betroffenen Gewässern gekennzeichnet ist. Das kann bei Sauerstoffmangel später zu einem „Kippen“ des Gewässers führen. Aus hygienischer Sicht betrachtet ist durch ungeklärtes Abwasser ein Gefährdungspotential für den Menschen vorhanden. 

Das Bild zeigt ein Gewässer in der Lobau, dem Wiener Teil des Nationalparks Donau-Auen. Am Ufer ist dichter Baumbestand zu sehen, im Vordergrund liegen einige Holzboote im Wasser. © Jürgen Staudacher
Lobau © Jürgen Staudacher

Damit die Donau blau bleibt

Die Behandlung von Abwässern in der Kläranlage dient also dem Schutz der Gewässer und stellt daher einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz dar. Die ebswien stellt sich dieser Herausforderung und betreibt im Auftrag der Stadt Wien die im Jahr 1980 eröffnete und 2005 massiv erweiterte Kläranlage, die im Eigentum der Stadt steht. 

Auf 460.000 Quadratmeter – das Anlagengelände ist größer als der Vatikan – werden in Simmering die gesamten Abwässer, die in der Bundeshauptstadt je zur Hälfte aus Haushalten bzw. aus Gewerbe und Industrie stammen, gereinigt: mehr als 6.000 Liter pro Sekunde, rund 200 Milliarden Liter pro Jahr. Nach der mechanisch-biologischen Reinigung fließt das geklärte Abwasser über den Donaukanal in die Donau. Und das mit einem Erfolg, auf den die mehr als 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mitarbeiterinnen der Wiener Kläranlage stolz sind: Die Donau verlässt Wien in derselben guten Qualität, in der sie in die Stadt gekommen ist.

Der Standort der Kläranlage ist gut gewählt, liegt er doch an einem der topographisch tiefst gelegenen Punkte Wiens. So gelangt das Abwasser über das Wiener Kanalsystem beinahe zur Gänze im freien Gefälle in die Anlage, der Energieeinsatz für Pumpen wird damit so gering wie möglich gehalten. Auf sparsamen Ressourcenverbrauch legt die ebswien größten Wert, insbesondere im Bereich Energie. Davon zeugen zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz der Anlage und der Einsatz eines breiten Mix von erneuerbaren Energieträgern. 

Mit der energieoptimierten Schlammbehandlungsanlage erzeugt die gesamte für die Abwasserreinigung benötigte Energie aus „grünem Gas“. Die Kläranlage ist also auch ein „Öko-Kraftwerk“ und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in Wien.

Grafik der Wiener Kläranlage. Eine leuchtende Glühbirne symbolisiert die Erzeugung von Öko-Energie.
© ebswien

Wussten Sie eigentlich ...?

Wieviel Trinkwasser verbrauche ich?

Im Schnitt 130 Liter Trinkwasser verbraucht jede Wienerin und jeder Wiener täglich. Der Großteil wird für Körperhygiene und die WC-Spülung verwendet, nur drei Liter werden getrunken bzw. zum Kochen verwendet. Der größte Teil des verbrauchten Trinkwassers gelangt als Abwasser über das Kanalnetz in die Kläranlage. Im Schnitt mehr als 6.000 Liter pro Sekunde.

© ebswien
In der Illustration zeigen die Comic-Figuren Tim und Trixi Tropf, dass Haushaltsabfälle nichts im Klo verloren haben.
© ebswien

Was darf ins Klo?

Die Engländer beantworten diese Frage elegant mit den drei „P“: Pee, Pooh, and Paper. Ins Klo darf also nur das, was aus Ihnen herauskommt und ein bisschen Klopapier. Alles andere hat darin nichts verloren. Das gilt für Essensreste und Speiseöl ebenso wie für Zigarettenstummel, Medikamente, Katzenstreu, Kondome und Monatshygieneartikel. Sie können nicht nur Ihre Abwasserleitungen verunreinigen oder sogar verstopfen, im Klo entsorgter Müll macht den Wiener Abwasserprofis viel Arbeit und verschlechtert die Umweltbilanz. 

Das Team von Wien Kanal holt täglich bis zu 20.000 Kilogramm an Feststoffen aus dem Wiener Kanalsystem. Nur so ist sichergestellt, dass das Abwasser ungehindert in die Kläranlage fließen kann. Dort filtern Grob- und Feinrechen täglich noch einmal mehr als 23.000 Kilogramm an Feststoffen aus dem Abwasser der Wienerinnen und Wiener. Durchnässter Müll, der natürlich viel aufwändiger zu entsorgen ist als im trockenen Zustand. 

Den Großteil dieser Müllmenge machen Dinge aus, die im Abwasser eigentlich gar nichts zu suchen haben. Denn: Das Klo ist kein Mistkübel!

Sollten Sie unsicher sein, wie Sie Ihren Müll richtig entsorgen: Das Trenn-ABC der MA 48 weiß Rat!

Was kann ich tun?

Die Wienerinnen und Wiener genießen ein besonderes Privileg: Sie verfügen über ausreichende Mengen an Trinkwasser bester Qualität. Ganz anders als in vielen anderen Teilen der Erde. Der sorgsame Umgang mit dieser wertvollen Ressource sollte also eine Selbstverständlichkeit sein. Für das Abwasser ist die wichtigste Regel: Werfen Sie nichts ins Klo, was dort nichts verloren hat. Bei anderen Dingen, etwa Kosmetika oder Putzmittel, ist die Sache schon nicht mehr ganz so einfach. Sie können Bestandteile enthalten, die für die Mikroorganismen in der Kläranlage und Lebewesen in Gewässern schädlich sein können. Die Umweltberatung hat eine Vielzahl von praktischen Tipps zusammengetragen, wie Sie durch bewusste Kaufentscheidungen die Gewässer und damit die Umwelt schonen können. Hier geht´s zur Öko-Rein-Datenbank

Die Illustration zeigt zwei Hände in Gummihandschuhen, die eine Bratpfanne abwaschen.
© ebswien

1. AEV

Die Bezeichnung 1. AEV steht für die
„1. Abwasseremissionsverordnung für kommunales Abwasser“. Der Mindestwirkungsgrad bezieht sich auf das Jahresmittel, der Grenzwert auf die maximal zulässige Ablaufkonzentration im geklärten Abwasser.

Pges

Pges steht für Gesamt-Phosphor. Der Gesamt-Phosphor ist ein Summenparameter, der sich aus gelöstem anorganischen Phosphor (Orthophosphat) und gelöstem bzw. ungelöstem organischen Phosphor zusammensetzt.

Der Gesamt-Phosphor wird in mg P/l (Abwasser) angegeben.

NH4-N

(Ammoniumstickstoff)

Der Ammonium-Stickstoff (NH4-N) ist eine anorganische Stickstoffverbindung, die unter anderem beim biologischen Abbau organischer Stickstoffverbindungen (z.B. Eiweiß) entsteht.

Der Ammonium-Stickstoff wird in mg N/l (Abwasser) angegeben.

Nges

Nges steht für Gesamt-Stickstoff. Der Gesamt-Stickstoff ist ein Summenparameter, der sich aus dem organischen Stickstoffanteil (Harnstoff, Peptide, Proteine) und dem anorganischen Stickstoffanteil (Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff) zusammensetzt.

TOC

TOC steht für „total organic carbon”, also den gesamten organisch gebundenen Kohlenstoff. Zusammen mit dem chemischen Sauerstoffbedarf (CSB) ist TOC eine wichtige Kenngröße für die Belastung eines Gewässers mit organischen Stoffen.

 

Angabe in mgC/l (Wasser).

CSB

Der CSB, kurz für Chemischer Sauerstoffbedarf, ist eine Kenngröße für den Gehalt an sauerstoffzehrenden Wasserinhaltsstoffen. Der chemische Sauerstoffbedarf ist der bei der chemischen Oxidation von organischen Wasserinhaltsstoffen unter genormten Bedingungen ermittelte Verbrauch an Kaliumdichromat, anzugeben als Sauerstoffäquivalent in „mg/l Wasser“.

BSB5

BSB5 steht für den biochemischen Sauerstoffbedarf in 5 Tagen. Dabei handelt es sich um eine Kenngröße für den Gehalt an biologisch abbaubaren Wasserinhaltsstoffen.

BSB5 bezeichnet die Sauerstoffmenge, die von Mikroorganismen in 5 Tagen verbraucht wird. Der biochemische Sauerstoffbedarf ist die Masse an gelöstem molekularen Sauerstoff, die von Mikroorganismen beim oxidativen Abbau (aber auch Umbau) organischer Inhaltsstoffe (Kohlenstoffverbindungen) des Wassers unter definierten Bedingungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums  (5 Tage) benötigt wird.

Der BSB5 wird in mgO2/l (Wasser) angegeben.