WIENS KLÄRANLAGE UNTERSTÜTZT CORONA-FORSCHUNG

Frühwarnsystem für Verbreitung von SARS-CoV-2 als langfristiges Forschungsziel – Keine Gefahr für Mitarbeitende im Abwasserbereich

Visualisierung von Corona-Viren © CDCAlissa Eckert, MS - Dan Higgins, MAM - PHIL 23312

Es gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen: Wissenschaftlern des Instituts für Wassergüte und Ressourcenmanagement der Technischen Universität Wien ist es nun aber gelungen, Erbgut des neuartigen Corona-Virus (SARS-CoV-2) im Wiener Abwasser, konkret im Zulauf zur Hauptkläranlage der Stadt, nachzuweisen. Zum Einsatz kam dabei eine Methode, die selbst geringste Spuren davon erkennt. Gefunden wurde aber NICHT das aktive, infektiöse Virus, sondern Spuren seines Erbgutes (RNA). Im Ablauf der Kläranlage in den Donaukanal konnten diese nicht mehr nachgewiesen werden, die Viren-RNA zerfällt also während des rund 20 Stunden dauernden Reinigungsprozesses oder ist im Klärschlamm gebunden, der aus dem Abwasser entfernt und verbrannt wird.

Die Kläranlage als Frühwarnsystem  

Der Nachweis im Zulauf der von der ebswien betriebenen Kläranlage in Simmering könnte ein wichtiger unterstützender Baustein im Kampf gegen die Corona-Pandemie sein. Nun soll zunächst der Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Virus im Abwasser und der Zahl der Infizierten im Einzugsgebiet der Kläranlage näher untersucht werden. Umweltstadträtin Ulli Sima: „Daraus könnte ein echtes Frühwarnsystem entstehen und daher unterstützt die Stadt Wien diese Forschung.“ Ganz konkret, in dem die Kläranlage Abwasserproben zur Verfügung stellt, aber auch finanziell fördert.

Steigt die Menge des Viren-Erbguts im Abwasser, lässt das auf eine Zunahme der Zahl der Personen schließen, die sich mit dem Virus infiziert haben. Das ist eine schnell verfügbare, ganz wichtige Informationsquelle für die Gesundheitsbehörden, die dann umgehend reagieren können. Ebenso könnte die Wirksamkeit gesetzter Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie anhand der Menge der Viren-RNA im Abwasser überprüft werden.
Man will verschiedene Abwasserstränge des Kanalnetzes untersuchen lassen, um damit auch für einzelne Teile Wiens belastbare Ergebnisse zu erzielen. Die Menge der viralen RNA von SARS-CoV-2 im Abwasser liegt laut der Voruntersuchung weit unter jenen Mengen, wie sie in infektiösen Tröpfchen vorkommen. Der Eintrag in das Abwasser erfolgt über den Stuhl infizierter Personen. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass diese Ausscheidungen unabhängig von Krankheitssymptomen erfolgen. „Die Abwasseranalysen könnten damit auch die berühmte ,Dunkelziffer‘ der insgesamt Infizierten mit abbilden“, erklärt Sima: „Was mir besonders wichtig ist: Eine Gesundheitsgefährdung für Beschäftigte im Abwasserbereich ist bei Einhalten der gewohnten, ohnehin sehr hohen Sicherheitsbestimmungen nach aktuellem Wissensstand auszuschließen. Es gibt keine Hinweise über eine Bedeutung von Abwasser als relevante Infektionsquelle.“

Abwasser in Wien - eine klare Sache 

Die von der ebswien betriebene Kläranlage der Stadt Wien reinigt in Simmering das gesamte in Wien anfallende Abwasser, jährlich rund 200 Milliarden Liter. Pro Sekunde fließen im Schnitt rund 6.000 Liter Abwasser über das 2.500 Kilometer lange Wiener Kanalnetz in die Anlage. Aktuell läuft die Kläranlage gemäß ihrem „Notfallplan Pandemie“, die Abwasserreinigung für Wien ist weiterhin rund um die Uhr gesichert. Die Reinigung des Abwassers erfolgt nach dem Vorbild der Natur: In zwei biologischen Reinigungsstufen bauen Mikroorganismen – wie in natürlichen Gewässern – die im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe ab. In der Wiener Kläranlage aber wesentlich konzentrierter und damit schneller. Nach 20 Stunden in der Anlage fließt das gereinigte Abwasser über den Donaukanal in die Donau. Die Donau verlässt Wien mit der gleichen Wasserqualität, mit der sie in die Stadt gekommen ist. „Ich möchte mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kläranlage an dieser Stelle bedanken, Sie leisten großartige Arbeit auch in diesen so herausfordernden Zeiten. Sie tragen dazu bei, dass Wien auch in Corona-Zeiten so perfekt funktioniert“, so Sima abschließend.

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