TU WIEN: DIE BESTEN BAKTERIEN FÜR DAS PROJEKT EOS

Ab 2020 macht das Projekt EOS (Energie Optimierung Schlammbehandlung) die Hauptkläranlage energieautark. Die Vorbereitungen für das zukunftsweisende Unterfangen laufen auf Hochtouren.

Experimentelle Schlammfaulung: Markus Reichel (li.) und Thomas Baumgartner im Labor der TU Wien.

Auch in den Labors der Technischen Universität Wien. Als langjähriger Partner der ebswien erarbeiten die Wissenschaftler die Grundlagen für den Ressourcen schonendsten Betrieb der Schlammbehandlung. Markus Reichel vom Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft beschäftigt sich an der TU Wien seit Jahren mit der Technik von Kläranlagen. „Das Grundkonzept der Abwasserreinigung auf der Hauptkläranlage Wien ist auf dem neuesten Stand und kaum weiter optimierbar“, erklärt er. Die Abwasserreinigung auf diesem hohen Niveau ist energieintensiv, die Hauptkläranlage benötigt dafür knapp ein Prozent des gesamten Wiener Strombedarfs. Das Projekt EOS sieht die Errichtung von sechs Faultürmen mit einer Höhe von jeweils 35 Meter vor. Aus dem anfallenden Klärschlamm entsteht darin Methangas, das in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt wird. Ab 2020 kann die ebswien dadurch die für die Abwasserreinigung nötige Energie selbst aus diesem erneuerbaren Energieträger erzeugen. Die Einsparung von 40.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr ist ein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz in Wien.

Schlamm: Je dicker, umso besser

Ein wichtiger Parameter bei diesem Faulungsprozess ist der Feststoffgehalt des Klärschlammes. „Ein dickerer Faulschlamm spart nicht nur Platz, er spart vor allem Energie“, sagt Markus Reichel. Wenn der Faulschlamm weniger Wasser enthält, muss weniger Wasser unnötigerweise miterwärmt werden. Erforscht wird derzeit, wie der Faulungsprozess in diesem dickeren Klärschlamm optimal gesteuert werden kann. „Wir brauchen Methan-Bakterien, die im konzentrierteren Klärschlamm auch mit einer höheren Ammonium-Konzentration zurechtkommen“, erklärt Reichel. „In unserem Labor testen wir derzeit, mit welchen Betriebsparametern man sicherstellen kann, dass die Bakterien auch in diesem Umfeld wie gewünscht Kohlenstoff aus dem Klärschlamm in Methan umwandeln.“ Die gemessenen Daten werden verwendet, um in einem ebenfalls an der TU Wien entwickelten Computermodell die Effizienz der Anlage vorherzuberechnen. „An den Details wird noch geforscht – die bisherigen Daten stimmen uns aber bereits zuversichtlich“, sagt Markus Reichel.

Exportschlager von morgen?

Die Forschungen an der TU Wien werden das EOS-Projekt auch in Zukunft begleiten: Der Spatenstich ist für 2015 geplant, vorher müssen für die öffentliche Ausschreibung noch verfahrenstechnische Details geklärt werden. „Hier fließen Ergebnisse aus unserem Labor direkt in die Detailplanung ein“, sagt Markus Reichel. Wenn sich die Idee bewährt, die Schlammfaulung bei erhöhtem Feststoffgehalt unter den spezifischen Wiener Rahmenbedingungen zu betreiben, dann soll das Projekt Schule machen, so der TU-Experte: „Das Konzept wäre sicher für viele größere Kläranlagen auf der Welt sehr interessant.“ Während die Wissenschaft also an einem möglichen Exportschlager von morgen forscht, schreiten auch die Arbeiten an der EOS-Versuchsanlage auf dem Kläranlagengelände zügig voran. Sie dient ebenfalls der Gewinnung vertiefter Erkenntnisse für die Detailplanung und den optimierten Betrieb, wobei der Schwerpunkt auf der im Labor nicht nachzustellenden Maschinentechnik liegt.

Vorbereitungen für UVP-Verfahren

Schon fertig gestellt ist der erste Teil des Projektbüros auf dem Anlagengelände. Hier laufen ab sofort die Fäden für die EOS-bezogene Tagesarbeit zusammen, etwa die permanente Abstimmung mit dem Anlagenplaner. Nach einer EU-weiten Ausschreibung hat eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus Büro Dr. Lengyel ZT GmbH, ILF Beratende Ingenieure ZT GmbH und Ingenieurbüro Passer & Partner ZT GmbH, den Zuschlag als Generalplaner für das Projekt EOS erhalten. Derzeit bereiten die Projektverantwortlichen intensiv die Einreichung für die Umweltverträglichkeitserklärung vor, die für Mitte 2013 vorgesehen ist. EOS liegt also voll im Zeitplan!

ebswien hauptkläranlage Ges.m.b.H. - 11. Haidequerstr. 7 - A-1110 Wien - T: +43 1 76 099 - info@ebswien.at