LUDWIG/SIMA: MEILENSTEIN FÜR DEN KLIMASCHUTZ IN WIEN

Schlussstein für Projekt E_OS feierlich enthüllt - Wiens Kläranlage wird zum Öko-Kraftwerk

Bürgermeister Michael Ludwig und Umweltstadträtin Ulli Sima mit dem enthüllten Schlussstein für das Projekt E_OS in der Wiener Kläranlage. © Christian Houdek
Stadträtin Ulli Sima, Bürgermeister Michael Ludwig, ebswien-Generaldirektor Christian Gantner auf dem Dach eines Faulbehälters der Wiener Kläranlage © Christian Houd

Exakt am 50. Jahrestag der Grundsteinlegung für die Wiener Hauptkläranlage enthüllten Bürgermeister Michael Ludwig und Umweltstadträtin Ulli Sima am 4. Juni 2020 den Schlussstein des Projekts E_OS – Energie_Optimierung Schlammbehandlung in der von der ebswien betriebenen Kläranlage der Stadt Wien in Simmering. In mehr als fünfjähriger Bauzeit wurden die Becken der Vorklärung und der 1. biologischen Reinigungsstufe erneuert und die Schlammbehandlungsanlage neu errichtet. Nach der Inbetriebnahme kann Wiens Kläranlage aus „grünem Gas“ mehr Öko-Energie erzeugen, als sie zur Abwasserreinigung benötigt. „Gerade in Zeiten, wo die Corona-Pandemie das beherrschende Thema darstellt, ist es wichtig, andere wichtige Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, nicht zu vergessen. Der Klimaschutz steht dabei ganz oben in der Rangliste. Wir haben es in der Hand, die Zukunft der nächsten Generationen zu sichern. Dafür müssen wir Wien Klima-fit machen, damit es auch künftig die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt“, erklärte Bürgermeister Ludwig. Umweltstadträtin Sima ergänzte: „Die Wiener Kläranlage leistet seit Jahrzehnten einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz und damit zur hohen Lebensqualität in Wien. Mit dem innovativen Projekt E_OS stellen wir sicher, dass das auch in den kommenden Jahrzehnten so bleibt und leisten damit einen entscheidenden Beitrag für die Klimamusterstadt Wien.“ 

Die neue Schlammbehandlungsanlage der ebswien sei ein Vorzeigebeispiel für ein Smart-City-Projekt, betonte Ludwig: „Die Stadt Wien gilt weltweit als Vorreiter in Sachen Smart City. Wir haben eine klare Strategie, bei der die Anliegen und Ideen der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner, aber auch die Impulse aus Wirtschaft, Technologie und Forschung unter ein gemeinsames Ziel gestellt werden. Was das ganz konkret bedeutet und welchen Nutzen Wien daraus zieht, machen Projekte wie E_OS in der Wiener Hauptkläranlage deutlich. Durch den intelligenten Einsatz von modernen Technologien wird hier mehr Energie produziert als tatsächlich verbraucht.“ Sima erläuterte: „Die Abwasserreinigung, die in anderen Städten einen der größten kommunalen Energieverbraucher darstellt, erfolgt bei uns energieautark. Wir gewinnen auch noch sauberen Strom und saubere Wärme und senken damit auch den CO2-Ausstoß deutlich.“

Vorzeigeprojekt für den Klimaschutz in Wien

Kläranlagen gehören in der Regel zu den größten kommunalen Energieverbrauchern, die Wiener Kläranlage benötigt zur Reinigung der gesamten in der Stadt anfallenden Abwässer mehr als ein Prozent des vom größten Wiener Energieversorgers produzierten Stroms. „Wiens Kläranlage wird mit E_OS zum Öko-Kraftwerk. Davon profitiert die Wiener Klimabilanz erheblich: Der Ausstoß von CO2-Äquivalenten sinkt um rund 40.000 Tonnen pro Jahr“, so Sima. Das Projekt E_OS stellte eine echte logistische Herausforderung dar. Sima: „Der Bau erfolgte bei laufendem Betrieb der Kläranlage. Die Qualität der Abwasserreinigung musste dabei zu jedem Zeitpunkt garantiert sein. Diese schwierige Aufgabe hat das Team der ebswien perfekt gemeistert.“ Genauso erfreulich sei ein weiterer Aspekt, ergänzte die Stadträtin: „Die beim E_OS-Planungsbeginn vor zehn Jahren ermittelten Daten bezüglich Bauablauf und Projektkosten haben perfekt gehalten. Die ebswien hält bei E_OS sowohl Zeit- als auch Kostenplan ein.“

Ab dem ersten vollen Betriebsjahr 2021 stellt sich die Energiebilanz der ebswien wie folgt dar:

 VerbrauchErzeugung von Öko-Energie
Strom63 GWh/a78 GWh/a
Wärme40 GWh/a82 GWh/a

 

Innovation: Mehr Energie durch gute Ideen 

„Bei Schlammfaulungsanlagen stand früher vor allem die Reduktion des Klärschlamms, der als ,Reststoff´ bei der Abwasserreinigung anfällt, im Mittelpunkt des Interesses“, erläuterte ebswien-Generaldirektor Christian Gantner, „die gewonnene Energie war dabei nur ein angenehmer Nebeneffekt. Bei E_OS war hingegen von Anfang an die größtmögliche Energieausbeute unser Ziel.“  So entwickelte die ebswien gemeinsam mit dem Institut für Wassergüte und Ressourcenmanagement der Technischen Universität Wien ein innovatives Verfahren. Bevor der Schlamm in die Faulbehälter gelangt, muss ihm Wasser entzogen werden. Je „dicker“ der Schlamm dabei ist, desto besser für die Energiebilanz. Der Schlamm muss für die Faulung nämlich einschließlich des enthaltenen Wassers erwärmt werden. Ein geringerer Wasseranteil spart dabei Energie. Zu „dick“ darf der Schlamm aber auch nicht werden, da er sonst nicht mehr gepumpt werden könnte. Gantner: „Umfangreiche Versuche haben unsere Annahmen eindrucksvoll bestätigt, wir können die neuen Faulbehälter mit einem doppelt so hohen Feststoffgehalt wie üblich betreiben.“ Gute Ideen bringen also nicht nur mehr Energie, sie sparten auch Baukosten: Durch das neue Verfahren kommt die ebswien mit halb so vielen Faulbehältern aus.

So funktioniert die neue Schlammbehandlungsanlage

Im Klärschlamm sind die bei der Abwasserreinigung entfernten Schmutzstoffe gebunden, pro Jahr fallen in Wien rund zwei Millionen Kubikmeter an. Das sichtbarste Zeichen der neuen Schlammbehandlungsanlage sind die sechs jeweils 30 Meter hohen Faulbehälter mit einem Gesamtvolumen von 75.000 Kubikmeter. Dorthin gelangt der „voreingedickte“ und auf 38 Grad Celsius erwärmte Schlamm. Unter Luftabschluss bauen Bakterien die organischen Inhaltsstoffe des Klärschlamms ab. Während des 25 Tage dauernden Faulungsprozesses – der „anaeroben Stabilisierung“ – entsteht Klärgas, das zu zwei Drittel aus dem energiereichen Methan (CH4) besteht. Davon fallen 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr an! Der ausgefaulte Schlamm wird aus den Faulbehältern abgezogen und verbrannt. Das Klärgas hingegen gelangt über Filteranlagen von den Gasbehältern in Blockheizkraftwerke, wo es in Gasmotoren verbrannt wird. Dabei entsteht nicht nur mechanische Energie, die mittels Generatoren in elektrischen Strom umgewandelt wird, sondern auch Wärme, die für Heizung und Warmwasserbereitung verwendet werden kann. Dadurch bringen es die Blockheizkraftwerke auf einen hohen Gesamtwirkungsgrad von mehr als 80 Prozent. 

Platz für den Klimaschutz 

Seit 1980 standen sie im Dauerbetrieb: Die Becken der Vorklärung und der 1. biologischen Reinigungsstufe hatten das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Die nötige Reinvestition in diese „Ur“-Anlage bringt auch in diesem Teil der Hautkläranlage mehr Energieeffizienz, steigert die Ausfallssicherheit und senkt die Instandhaltungskosten. Das Volumen der Becken im zehn Hektar großen Baufeld wurde im Rahmen von E_OS um 50 Prozent vergrößert. Da die Belebungs- und Zwischenklärbecken aber nun deutlich höher sind, kommen sie mit einer wesentlich kleineren Grundfläche aus. Der dadurch freiwerdende Platz konnte für die neue Schlammbehandlungsanlage – und damit für den Klimaschutz – genutzt werden.

In fünfjähriger Bauzeit wandelte sich das Erscheinungsbild der Wiener Kläranlage entscheidend. Ein Überblick über die Baumassen bietet einen Einblick in die Dimension des Projekts E_OS (Stand: Mai 2020):
 

Erdaushub80.000 m3
Betonabbruch38.000 m3
Abbruch Rohrmaterial5 km
Verbauter Beton120.000 m3
Verbauter Bewehrungsstahl13.000 t
Verlegte Rohrleitungen40 km
Verlegte Kabel510 km
Hinterfüllung/Schüttung125.000 m3
Asphalt28.000 m2
Grünflächen hergestellt20.000 m2

 

Projektverlauf E_OS

2010Auftrag an die ebswien zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie
2011ebswien legt positive Machbarkeitsstudie vor
2012Umsetzung des Projekts E_OS wird einstimmig im Wiener Gemeinderat beschlossen
2013Inbetriebnahme Versuchsanlage, Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)
2014positiver UVP-Bescheid; europaweite Ausschreibungsverfahren
2015Grundsteinlegung (13. April) & Baubeginn
2016Inbetriebnahme Vorklärung West
2017Inbetriebnahme 1. biologische Reinigungsstufe Süd
2018Vorklärung zur Gänze in Betrieb, Inbetriebnahme Belebung 1. biologische Reinigungsstufe Nord
2019Fertigstellung 1. biologische Reinigungsstufe Nord (Zwischenklärung)
2020Maschinentechnische Ausrüstung Schlammbehandlung; Inbetriebnahme Schlammbehandlung

 

Wir klären alles – mit Ökostrom aus eigener Produktion

Seit 1980 reinigt die Hauptkläranlage in Simmering das gesamte Abwasser der Wienerinnen und Wiener, mehr als 6.000 Liter Abwasser gelangen pro Sekunde in die Anlage. In 20 Stunden durchläuft das Abwasser eine mechanische und zwei biologische Reinigungsstufen, in denen sich die 169 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ebswien die Natur zum Vorbild nehmen. Mehr als 100.000 Kilogramm Schmutzstoffe werden dem Abwasser Tag für Tag entzogen. Über den Donaukanal fließt das gereinigte Abwasser in die Donau, ohne deren Wasserqualität zu beeinträchtigen. Wir klären also alles und sorgen dafür, dass die Donau blau bleibt. Mit E_OS zur Gänze mit Ökostrom aus eigener Produktion. 

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